Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

LVR-Archäologischer Park Xanten
LVR-RömerMuseum

Amphoren aus aller Welt

Über 300 Jahre lang versorgte ein steter Handelsstrom das römische Xanten mit Köstlichkeiten aus dem Mittelmeerraum. Wein, Olivenöl, Fischsauce und andere Waren wurden in Amphoren verpackt auf die lange Reise geschickt.
Ein spanisch-deutsches Forschungsprojekt nimmt die Funde im APX unter die Lupe und gewinnt daraus Erkenntnisse über Handel und kulinarische Gewohnheiten der Römer.

 

Nahaufnahme einer Scherbe einer antiken Amphore mit verblasster Tinteninschrift. Foto kann im neuen Fenster vergrößert werden. Nahaufnahme einer Scherbe einer antiken Amphore mit verblasster Tinteninschrift. Foto kann im neuen Fenster vergrößert werden. Nahaufnahme einer Scherbe einer antiken Amphore mit verblasster Tinteninschrift. Foto kann im neuen Fenster vergrößert werden.

Diese zerscherbten Amphorenreste verbergen wesentlich mehr Informationen, als es der erste Blick vermuten lässt.

 

Die großen Magazine des APX sind für Jose Remesal (im Bild unten links) und sein Team eine wahre Fundgrube. Der Professor für Alte Geschichte an der Universität Barcelona kommt seit 2001 jährlich mit seinen Kollegen nach Xanten, um Kiste für Kiste zu durchsuchen. Und wird dabei mehr als fündig: Über eine Million Scherben von Amphoren, die einst den weiten Weg über den Rhein nach Xanten fanden, haben die spanischen Wissenschaftler mittlerweile erfasst.

 

Remesal und sein Team gehören zu dem kleinen internationalen Kreis von Expertinnen und Experten, die sich auf die Erforschung von römischen Amphoren spezialisiert haben. Ihr Forschungsgebiet ist besonders ergiebig, weil die Amphoren oft gut datierbar sind und verschiedene Inschriften aufweisen, die Auskunft über ihre Herkunft, den Transportweg und den einstigen Inhalt geben. Nimmt man all diese Angaben zusammen, werfen die zunächst unscheinbaren Scherben gleichermaßen ein Licht auf typische römische Ess- und Trinkgewohnheiten wie auf die wirtschaftlichen Beziehungen zu anderen Provinzen. Einen Überblick über diese Handelsverbindungen liefert eine große Landkarte im LVR-RömerMuseum, an der einige der am besten erhaltenen Amphoren aus Xanten ausgestellt sind.

 

Gruppenbild um Amphore: Prof. Remesal Rodrìguez mit vier weiteren Amphoren-Spezialisten und Dr. Norbert Zieling. Foto kann im neuen Fenster vergrößert werden. Drei Amphoren nebeneinander. Foto kann im neuen Fenster vergrößert werden.

Scherben bringen Forscherglück: Die spanischen Amphoren-Spezialisten um Prof. Remesal Rodrìguez (ganz links) in einem der Magazine des APX.

 

Erste Ergebnisse aus dem Amphoren-Projekt liegen bereits vor. So weiß man heute, dass Wein im frühen 1. Jahrhundert n. Chr. noch bevorzugt aus Italien und dem weiter entfernten östlichen Mittelmeerraum importiert wurde. Bald wuchs der Anteil von Weinen aus Südspanien, bevor sich einige Generationen später die gallischen Weine aus dem heutigen Frankreich durchsetzten. Im 2. Jahrhundert erfolgten dann zunehmend kostengünstigere Importe aus den mittlerweile kultivierten Anbaugebieten am Mittelrhein.

 

Fischkonserven und besonders die berühmt-berüchtigten Fischsaucen kamen anfangs in großen Mengen aus dem heutigen Andalusien nach Xanten. In der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts wurden sie zunehmend von den billiger zu importierenden gallischen Fischwaren ergänzt, verschwanden aber nie vom Xantener Markt. Ähnlich verhält es sich mit den Lieferungen von Olivenöl, das als wichtigster Importartikel in riesigen Mengen aus der südspanischen Beatica eingeführt wurde. Aus der gleichen Provinz stammte übrigens auch der Namenspatron der Colonia, Kaiser Trajan. Hätte der Kaiser die römische Stadt einmal besucht, wäre es ein Leichtes für die städtischen Würdenträger gewesen, ihn mit Spezialitäten aus seiner Heimat zu verköstigen.

 

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