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Die Colonia Ulpia Traiana ist die einzige römische Stadt nördlich der Alpen, deren Überreste auf breiter Fläche für die Forschung zugänglich sind. Bislang wurde allerdings weniger als ein Fünftel der antiken Stadtfläche ergraben. Moderne geophysikalische Methoden versprechen schnellere Einblicke in den Boden.
Entspannen auf historischem Boden ... wenige Zentimeter über den römischen Schichten. Bei der Geo-Prospektion wird die gesamte Messfläche zu Fuß abgeschritten.
Die Archäologie steckt häufig in einem Dilemma. Einerseits kämpft sie um die Möglichkeit, Bodendenkmäler untersuchen zu können, besonders wenn diese durch Baumaßnahmen bedroht sind. Andererseits wäre es für die Bodendenkmäler das Beste, wenn sie gar nicht erst angetastet würden. Denn jede Ausgrabung bedeutet auch eine Zerstörung der abgetragenen Schichten, und die Erfahrung zeigt, dass zukünftige Generationen noch bessere Methoden entwickeln werden, um möglichst viele Informationen aus dem Boden zu gewinnen.
Im geschützten Gelände des APX ist es daher nicht das Ziel, möglichst große Flächen freizulegen. Das relativ kleine Xantener Grabungsteam konzentriert sich auf Stellen, an denen überschaubare Eingriffe in den Boden für den Ausbau des Parks unvermeidbar sind, und auf ausgesuchte Bereiche, die gezielte Aufschlüsse über die römische Stadt versprechen. Nur – welche Flächen sind das?
Im optimalen Fall werden die verborgenen Strukturen im Boden deutlich sichtbar.
An diesem Punkt kommen die modernen Methoden der Geophysik ins Spiel. Bodenradar, elektrische Widerstandsmessungen und Geomagnetik ermöglichen einen ersten, zerstörungsfreien Blick in den Boden. Dabei werden unterschiedliche Dichten und elektrische Leitfähigkeiten des Untergrundes bis zu einer Tiefe von über zwei Metern festgestellt. Steine, lockere Füllschichten und andere Unregelmäßigkeiten zeichnen sich oftmals deutlich vom umgebenden Erdreich ab. Die Messergebnisse verzeichnet man in Karten, die erste Aufschlüsse über die Struktur des Bodendenkmals unter der Grasnarbe geben. Auf diese Weise war es zum Beispiel möglich, die großen Mauern der spätantiken Festung auf dem Gelände der Colonia zu entdecken.
Der APX betreibt ein mehrjähriges Forschungsprojekt mit dem Ziel, die gesamte Fläche der römischen Stadt mit geophysikalischen Methoden zerstörungsfrei zu untersuchen. Seit 2006 werden in Zusammenarbeit mit der Berliner Firma eastern atlas unter Einsatz eines Georadarsystems große Teile der Nordwest- und Westseite der Colonia prospektiert. Die Ergebnisse geben einen ersten Eindruck davon, wie dieser Teil der Stadt bebaut war: Mutmaßliche Wohnhäuser gruppieren sich um unbebaute Flächen, die vielleicht als gemeinsame Höfe oder als Weideflächen im Zentrum einer Insula genutzt wurden.
Die Messungen dauern noch an, und die Auswertungen sind noch lange nicht abgeschlossen. Bereits heute geben sie spannende Hinweise auf die Beschaffenheit von antiken Stadtvierteln, die vorher nur ein weißer Fleck auf der Karte waren. Sie werden allerdings nie dieselben Einblicke in die Vergangenheit ermöglichen wie die Ausgrabungen. Auch zukünftig wird man nur durch sorgfältige Grabungen feststellen können, wie die Gebäude genau aussahen und wie die Menschen darin gewohnt haben.
