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Speisen und Getränke servierten die Römer in rotem glänzendem Geschirr, der Terra Sigillata. Diese außergewöhnlich feine, bis heute unerreichte Ware stand jüngst im Mittelpunkt einer Tagung im neuen LVR-RömerMuseum. Fachleute aus Deutschland und den Niederlanden präsentierten im November 2008 neue Funde und Forschungen.
Für die moderne Archäologie ist Terra Sigillata eines der wichtigsten Mittel zur Datierung römischer Ausgrabungsbefunde. Weil viele Gefäßformen nur für recht kurze Zeit in Mode waren, wissen wir oft auf zehn oder zwanzig Jahre genau, wann die Teller, Schüsseln und Becher hergestellt wurden, die die Römer bei ihren Mahlzeiten verwendeten.


Von besonderer Bedeutung ist Terra Sigillata für die Forschung auch deshalb, weil nur wenige Handwerksbetriebe das feine Tafelgeschirr herstellten. In diesen großen Manufakturen arbeiteten spezialisierte Töpfer, von denen viele sogar namentlich bekannt sind. Neben Tellern und Tassen, die man auf der Töpferscheibe drehte, gibt es auch mit Mustern oder Figuren verzierte Gefäße, die in Formen hergestellt wurden. Die Verzierungen ermöglichen es, die Erzeugnisse verschiedener Töpfereien genau voneinander zu unterscheiden.
Keramikhändler belieferten die römischen Städte und Dörfer. Sie transportierten die zerbrechliche Ware über große Entfernungen. So kam zu Beginn der römischen Epoche im Rheinland fast die gesamte Terra Sigillata aus Italien und Südfrankreich, später aus Trier und Rheinzabern (Rheinland-Pfalz). In der Colonia Ulpia Traiana wurde wahrscheinlich nie Terra Sigillata hergestellt.
Besser als viele andere Erzeugnisse der römischen Wirtschaft eignet sich Terra Sigillata dazu, Handelsrouten, Vertriebssysteme und Verflechtungen zwischen verschiedenen Töpfereien nachzuzeichnen und so Erfolg oder Scheitern der einzelnen Firmen zu verstehen.
Das wissenschaftliche Kolloquium wurde organisiert von Dr. Bernd Liesen, Fundbearbeiter im Archäologischen Park und LVR-RömerMuseum. Das finden Sie hier (Word-Datei, 44 KB). Die Veröffentlichung der Beiträge ist für einen Band der Xantener Berichte im Jahr 2010 vorgesehen.
