Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

LVR-Archäologischer Park Xanten
LVR-RömerMuseum

Römische Wohnhäuser

Prachtvolle Bauwerke wie der Hafentempel, das Amphitheater und die Thermen prägen unser Bild von der römischen Stadt. Wie aber haben die einfachen Menschen in der Colonia Ulpia Traiana gewohnt und gearbeitet?
Ein aktuelles Bauprojekt gibt Antworten – und wirft viele neue Fragen zur römischen Bautechnik auf.

 

Die Straßenfront eines römischen Handwerkerhauses als CAD-Ansicht. Foto kann im neuen Fenster vergrößert werden.

Die Straßenfront römischer Wohnhäuser als CAD-Ansicht.

 

Ein Großteil der Bevölkerung wohnte in mehrstöckigen Häusern, die in mancher Hinsicht an heutige Reihenhäuser erinnern. Am besten erforscht sind solche Wohnhäuser auf dem Gelände gegenüber der römischen Herberge, wo seit den 80-er Jahren viele Fundamente und Siedlungsreste ausgegraben werden konnten. Drei dieser Häusern werden in den nächsten Jahren an Ort und Stelle mitsamt ihrer Inneneinrichtung rekonstruiert.

 

Der archäologische Befund zeigt, dass die Häuser dicht beieinander auf streifenförmigen Parzellen standen. Sie hatten zwei Stockwerke und eine gemeinsame Front zur Straße. Im dahinterliegenden Hof standen kleinere Nebengebäude und Schuppen. Bei den Ausgrabungen wurden Werkabfälle gefunden, die darauf hinweisen, dass hier im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. vor allem Handwerker und ihre Familien wohnten. In ihren rekonstruierten Werkstätten, die sich zur Straße hin öffnen, sollen später regelmäßig handwerkliche Vorführungen stattfinden.

 

Ein Balkenloch in einer Lehmwand lenkt den Blick ins Grüne. Foto kann im neuen Fenster vergrößert werden. Drei Handwerker bauen eine Verschalung aus Holz für die Rekonstruktion einer römischen Lehmwand. Foto kann im neuen Fenster vergrößert werden. Detail einer Fachwerkwand mit Flechtwerk, die im unteren Teil bereits mit Lehm bestrichen ist. Foto kann im neuen Fenster vergrößert werden.

Viele Einwohnerinnen und Einwohner der Colonia lebten in mehrstöckigen Lehmbauten, die gerade beispielhaft im APX rekonstruiert werden.

 

Doch römische Häuser gibt es nicht von der sprichwörtlichen Stange. Eine Besonderheit der antiken Bauweise stellt eine große Herausforderung für die Bauforscher des APX dar: Die tragenden Außenwände bestanden nicht aus Stein, sondern aus gestampftem Lehm. Lehm war am steinarmen Niederrhein viel leichter zu beschaffen als teure Steine. Heute ist das Wissen um die uralte Lehmbauweise jedoch bereits seit Generationen weitgehend verloren gegangen. So mussten die Bauforscher völliges Neuland betreten. Erst nach mehrjährigen Forschungen und Experimenten fanden sie die richtigen Lehmmischungen und Wandputze, die dem feuchten niederrheinischen Klima standhalten.

 

Erste Teile einer sechzig Zentimeter dicken Außenwand aus Stampflehm auf einem Sockel aus Ziegelsteinen. Foto kann im neuen Fenster vergrößert werden. Detailansicht eines aus Ziegeln gemauerten Sockels, dessen Fugen mit Lehm verstrichen sind. Foto kann im neuen Fenster vergrößert werden. Das Erdgeschoss eines rekonstruierten Wohnhauses im Rohbau mit Balkendecke. Foto kann im neuen Fenster vergrößert werden.

Bauen mit Lehm: Für die Bauforscher des APX eine wissenschaftliche Herausforderung.

 

Im Mai 2007 konnte schließlich mit der Rekonstruktion des ersten Hauses begonnen werden. Zunächst wurde eine Betonplatte über den römischen Fundamentmauern errichtet, um die originalen Grundmauern zu schützen. Diese Platte trägt die gesamte Rekonstruktion, beginnend mit den massiven, sechzig Zentimeter dicken Außenwänden aus Stampflehm und den etwas schmaleren Innenwänden, die in Fachwerktechnik gebaut werden. Viele weitere Bautechniken und Konstruktionsdetails werden im wissenschaftlichen Experiment so erschlossen, wie sie nach dem archäologischen Befund in römischer Zeit ausgeführt waren. So stammen die Eichenbalken für die Decke zwischen den Geschossen nicht aus dem Sägewerk, sondern werden wie die römischen Vorbilder von Hand gebeilt.

 

Die Arbeiten gingen in den ersten Jahren gut voran. Die bereits fertiggestellten Rohbauten erhielten ein provisorisches Dach, um Schäden durch Feuchtigkeit zu vermeiden und die Lehmwände gründlich austrocknen zu lassen. Der Dachstuhl wird anschließend mit Ziegeln eingedeckt werden, wie es sich für ein römisches Haus gehört. Läuft alles nach Plan, werden die Häuser 2011 komplett fertiggestellt und eingerichtet sein.


Wir möchten uns an dieser Stelle bei unseren Partnern von der Zimmerei Heinrichs aus Hiddenhausen bedanken, ohne deren Engagement ein solches bauhistorisches Experiment nicht durchführbar wäre. Ein besonderer Dank gilt dem Land Nordrhein-Westfalen, das achtzig Prozent der Kosten des Projektes trägt.

 

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