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Werfen Sie einen Blick auf die vergangenen Sonderausstellungen im LVR-RömerMuseum.
Vom 13. März bis zum 15. Mai 2011 zeigte das LVR-RömerMuseum zusammen mit dem Kunstverein Xanten e. V. eine Ausstellung mit Werken des Malers Sven Kroner.
Sven Kroner: Harvest.
Die großformatigen Bilder des Düsseldorfer Malers scheinen auf den ersten Blick eine Hommage an die Natur zu sein. Mit den Mitteln der Malerei verschmilzt Kroner gesammelte visuelle Eindrücke realer Plätze mit allgemeingültigen Ausschnitten einer gewaltigen Natur. Auf der anderen Seite sind seine Landschaftsbilder Ideenbilder, deren Anschauung sowohl von der Natur als auch von dem von Menschenhand bestimmten Raum stammt.
Das formale Wechselspiel zwischen De- und Refiguration unterstützt den Dualismus in Sven Kroners Arbeiten, die stets zwischen zwei Polen changieren. So wie die Gemälde zwischen Realität und Vorstellung, Gegenständlichkeit und Abstraktion, Tradition und Innovation sowie Ernsthaftigkeit und Ironie der Themen oszillieren, implizieren seine Arbeiten auch ein Spiel mit der Zeit. Die Gemälde des neuesten Werkzyklus' rufen den Eindruck einer utopischen Welt hervor, in der Vergangenheit und Zukunft zu einer neuen Welt verschmelzen. Der Roman Utopia, mit dem Thomas Morus das Genre der Sozialutopie begründete, war in seinem positiven Entwurf derart prägend, dass er im Sprachgebrauch fortan die Utopie, also den eigentlich neutralen „Nicht-Ort", mit einer positiven Konnotation belegte, die bis heute anhält. Kroners „Nicht-Ort" entwickelt sich zum individuellen Ort im Kopf des Betrachters und unterscheidet sich durch die mentale Schöpferkraft des Publikums von der realen Welt.
Was ist wahr, wie präsent ist die Vergangenheit oder Zukunft in der Gegenwart? Und wie verhält es sich mit dem Künstler - Malt Sven Kroner tatsächlich Kornkreise, wie in dem namengebenden Bild Harvest („Ernte")? Oder ist es lediglich die malerische Illusion eines Feldes, die Illusion eines Hauses, die Illusion eines Kornkreises? Es ist auch die gegenständliche Malerei selbst, die gewissermaßen die Fiktion aufhebt und darüber hinwegtäuscht, dass eigene Projektionen das Bild überlagern. So wie die Realität der Idee weicht, verschwimmt mit ihr auch die zeitliche Dimension. Vom Feld herein kommt also das, was Kroner aussät und das Publikum erntet.
Der 1973 in Kempten geborene Maler ist in Xanten nicht unbekannt. Bereits 1999 hat er im damaligen Regionalmuseum einige seiner frühen Werke ausgestellt. Der renommierte Künstler hat seine mehrfach prämierten Werke bislang in mehr als 30 Ausstellungen gezeigt – in namhaften Galerien unter anderem in Deutschland, in den Niederlanden, Frankreich und den USA.
Antiken aus Xantener Privatbesitz und europäischen Museen
Seit Jahrhunderten bringt der Xantener Boden immer wieder antike Fundstücke hervor. Nicht alle Funde gelangten in die öffentliche Hand, viele blieben in Privatbesitz oder wurden später an auswärtige Museen verkauft. Das LVR-RömerMuseum öffnete diese „Schatzhäuser" vom 19. September 2010 bis zum 9. Januar 2011 erstmals für die Öffentlichkeit.
Antiken aus Xantener Privatbesitz und europäischen Museen
Besonders die Hinterlassenschaften aus der römischen Zeit haben seit jeher die Aufmerksamkeit von privaten Liebhabern und Sammlern auf sich gezogen. So sind über Generationen hinweg beachtliche Sammlungen entstanden, die nie ans Licht der Öffentlichkeit gelangten. Die Ausstellung im LVR-RömerMuseum weckte die unbekannten Xantener Antiken für eine Weile aus ihrem Dornröschenschlaf.
Der Aufruf an die Xantener Bevölkerung, ihre sorgsam gehüteten Preziosen einem breiten Publikum zu zeigen, traf auf großen Zuspruch. Rund 40 private Leihgeber stellten aus ihren heimischen Wohnzimmern über 600 Exponate zur Verfügung. Sie umfassen vom bronzezeitlichen Schwert bis zu Gefäßen des 16. Jahrhunderts einen Zeitraum von mehr als zweieinhalb Jahrtausenden.
Römischer Möbelaufsatz in Form eines Greifen | Mittelalterlicher Münzschatz aus dem 14. Jahrhundert | Römische Glasflaschen.
Die Ausstellung präsentierte eine Vielfalt an Alltagsgegenständen, aber auch Bronzen, Schmuck und seltene Einzelstücke. Gezeigt wurden Beschläge mit dem Unheil abwehrenden Antlitz der Medusa, ein römischer Nachttopf und Öllampen neben kostbaren Gemmen und goldenem Schmuck; Spielsteine aus farbigem Glas gesellten sich zum exotisch anmutenden Aufsatz eines römischen Möbels in Greifenform. Etliche dieser Fundstücke sind ganz neu im Spektrum der Xantener Altertümer und daher für die Wissenschaft besonders spannend.
Ergänzend steuerten mehrere Museen aus dem In- und Ausland einige ihrer bedeutendsten Funde aus Xanten bei. So kehrte die lebensgroße Büste eines Mannes, der sich in der Art des ehrwürdigen Kaisers Trajan darstellen ließ, erstmals seit ihrer Entdeckung in den 1950er-Jahren an den Ort ihrer Auffindung zurück. Sie ist bis heute das einzige bekannte Porträt eines Römers aus Xanten. Besonders erfreulich ist auch, dass Bestände aus der Sammlung des Notars Philipp Houben (1767-1855) zeitweise nach Xanten zurückkehrten. Houben führte umfangreiche Ausgrabungen vor Ort durch und rief ein erstes öffentlich zugängliches Museum ins Leben. Nach seinem Tod wurden diese Fundstücke in alle Winde zerstreut.


Römischer Bronzebeschlag mit Medusa-Antlitz | Römische Tongefäße | Goldener Fingerring mit römischer Gemme.
Die Ausstellung bot auch die Gelegenheit, Bekanntschaft mit den verschiedensten Sammlerpersönlichkeiten zu machen. So erfuhren wir von der Familie, deren Angehörige über viele Generationen hinweg antike Fundstücke im Gelände des Legionslagers auflasen und anschließend in ihrem Gasthof ausstellten. Ihrer Begeisterung verdankt die Nachwelt einige der interessantesten Gemmen aus Xanten - und dazu manch schöne Anekdote: Aus Angst, die kleinen Schmucksteine könnten durch Löcher in den Hosentaschen verloren gehen, wurden sie im Mund unter der Zunge transportiert.
Vom 18. April bis 8. August 2010 zeigte das LVR-RömerMuseum zusammen mit dem Kunstverein Xanten e. V. eine Rauminstallation des Bildhauers Andreas Bee.
Blick in die Rauminstallation (Foto: Helmut Winterfeld).
Der Düsseldorfer Bildhauer Andreas Bee hat eigens für das LVR-RömerMuseum eine aufwändige Rauminstallation erstellt, die auf überraschende Weise die Themen Ausgrabung, Entdeckung und Mythologie vereint. Der Ausstellungstitel ist Referenz des Künstlers an den historischen Schauplatz inmitten der römischen Thermen: „Lavabo" übersetzt der Lateiner frischweg mit „Ich werde waschen". Beim Ritus der Handwaschung eines Priesters in der Heiligen Messe sind damit sakrale Gefäße - Waschbecken und Kanne – sowie die symbolische Reinigung verbunden. Tatsächlich geben die freigelegten Fundamentmauern der römischen Thermen jedoch kein leibhaftiges Bädererlebnis her. Um ein Bild der einstigen Anlage vor dem geistigen Auge der Besucher zu evozieren, bedarf das Museum einer aufwändigen Konzeption - Bee erweitert als Künstler den Blick auf das Spezifische des Ortes.
Zu Beginn der Ausstellung zitiert ein hoher Bauzaun eine Situation, wie wir sie in heutigen Großstädten erleben: Bretterzäune, in denen Astlöcher den neugierigen Blick auf das Innere freigeben. Hinter einer schmalen Tür offenbart sich dem eintretenden Zaungast unerwartet eine sakral anmutende dreischiffige Rauminstallation, die als eine Art Grabungsstätte aufgeladen ist. Das Zentrum beherrscht eine immens große Waschschüssel; ein rotes Handtuch liegt bereit. Überdimensionale Amphoren und Keramiken von fabelwesenhaften Tiergestalten umgeben den Gang durch den Raum, wirken seltsam befremdlich, nicht von dieser Welt.
Das ausgewogene Verhältnis antiker und moderner Formelemente, deren Repertoire in hellen Holz- und Weißtönen wie aus einem Guss zusammengezogen ist, bietet Anklänge an eine Kultstätte, echt römisch ist allein das altehrwürdige Mauerwerk der Ausstellungshalle. Die Intensität begehbarer Rauminstallationen wurde mit „Haus Ur" von Gregor Schneider in der Kunstwelt zu einer festen Größe, doch selten spielen so viel ureigenes Augenzwinkern und Gespür für den Ort mit, wie bei „Lavabo" von Andreas Bee.
Ein gebundener Katalog zur Ausstellung ist an der Museumskasse erhältlich (61 Seiten, 15 €).
Vom 22. November 2009 bis 21. Februar 2010 zeigte das LVR-RömerMuseum zusammen mit dem Kunstverein Xanten e. V. seine erste Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Die renommierte Bildhauerin Hede Bühl präsentierte ihre Skulpturen aus Bronze, Marmor und Eisen.
Blick in die Ausstellung „Hede Bühl. Skulpturen"
Hede Bühl gehört zu den ersten Bildhauerinnen einer sich etablierenden Künstlergeneration der 60er-Jahre. In ihren Skulpturen setzt sich die Meisterschülerin von Joseph Beuys mit dem menschlichen Körper und vor allem mit dem menschlichen Kopf auseinander. Seit vier Jahrzehnten schafft sie bandagierte Köpfe, die in ihrer eigenen Formensprache zu ihrem unverkennbaren Markenzeichen geworden sind: Die kleinsten haben die Umrisse einer Faust, die größten sind monumentale, tonnenschwere Skulpturen aus Bronze, Marmor oder Eisen. Diese stummen Köpfe geben nichts preis und vermitteln dennoch eine immense innere Kraft und archaische Ruhe. Drei ihrer monumentalen Werke sind im Museum ausgestellt.
Im Zentrum der Ausstellung steht eine Gruppierung von 25 Skulpturen. Ihre Aufstellung fordert die Betrachter auf, durch ein dichtes Skulpturenfeld zu wandeln. Dabei tritt das Ensemble in einen spannenden Dialog mit den rauen Oberflächen der gewaltigen römischen Fundamentmauern des Museums. Fünf großformatige Zeichnungen runden den Blick auf das künstlerische Schaffen Hede Bühls ab. Zur Ausstellung erscheint ein mehr als 100 Seiten starker Katalog, der einen Überblick über das Schaffen Hede Bühls gibt.
Das bildhauerische Werk Hede Bühls wurde ausgezeichnet mit dem Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste (Berlin), dem Villa-Romana-Preis (Florenz), dem Villa Massimo Stipendiat (Rom) und dem Großen Preis für Skulptur der Triennale Neu-Delhi. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen Sammlungen und Museen des In- und Auslands vertreten. Hede Bühl lebt und arbeitet in Düsseldorf.
Vom 24. April bis 30. August 2009 zeigte das neue LVR-RömerMuseum seine erste archäologische Sonderausstellung. Mit großem Erfolg: Wir bedanken uns herzlich bei 201.975 Besucherinnen und Besuchern!
Waren römische Grabsteine grau oder farbenfroh? Welche Besonderheiten zeigt die Ausrüstung des Marcus Caelius? War der Zenturio mit 53 Jahren ein Greis? Welche Rolle spielte sein Grabstein für die Nachwelt?
Der römische Zenturio Marcus Caelius hatte im langjährigen Dienst bei den Legionen bereits vieles erlebt. Für seinen Mut und seine Tapferkeit im Kampf war er vielfach ausgezeichnet worden. Doch als er 9 nach Christus am Feldzug des Varus tief in den germanischen Wäldern rechts des Rheins teilnahm, war alle Erfahrung vergebens. Annähernd 20.000 römische Soldaten fanden den Tod im Hinterhalt germanischer Krieger unter der Führung des Arminius. Diese katastrophale Niederlage hatte weit reichende Auswirkungen auf die europäische Geschichte, sie war der Wendepunkt für Roms Eroberungspläne in Germanien: In der Folge zogen die Legionen sich dauerhaft an den Rhein zurück, und die germanischen Gebiete bis zur Elbe blieben frei von römischer Herrschaft.
Genau 2.000 Jahre später nehmen das LVR-RömerMuseum im Archäologischen Park Xanten und das LVR-LandesMuseum Bonn das historische Ereignis zum Anlass für eine gemeinsame Ausstellung. In deren Mittelpunkt steht das einzige sichere archäologische Zeugnis eines in der Varusschlacht Gefallenen - der Grabstein des Marcus Caelius. „Er fiel im Varuskrieg" berichtet die Inschrift auf dem bereits 1620 bei Xanten gefundenen Stein. Ein Leergrab, denn Marcus Caelius kehrte nie an den Rhein zurück.
Der Caelius-Stein ist jedoch nicht nur als „einziger Zeuge" der Varusschlacht von überragender Bedeutung. Er ist zugleich eines der frühesten Werke römischer Bildhauerkunst nördlich der Alpen. Die detailreiche Bildszene und die mehrzeilige Inschrift werfen Schlaglichter auf die Welt, in der Marcus Caelius lebte. Zahlreiche Funde aus dem Rheinland und Leihgaben aus zwanzig europäischen Museen beleuchten die Zeit des Kaisers Augustus an der Rheingrenze. Die Ausstellung zeigt Waffen und Ausrüstungsteile der untergegangenen Legionen, Steindenkmäler aus Bologna, der Heimat des Caelius, Werkzeuge, Götterbilder und eine Reihe von selten ausgestellten Exponaten zur Rezeption des Grabdenkmals seit dem 17. Jahrhundert. Ein Katalog und spannende Mitmach-Führungen für jüngere Besucherinnen und Besucher begleiten die Ausstellung.
Vom 24. April bis 30. August 2009 im LVR-RömerMuseum im Archäologischen Park Xanten. Die Ausstellung wurde anschließend vom 24.09.2009 bis 24.01.2010 im LVR-LandesMuseum Bonn gezeigt.
