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Die Kolleginnen und Kollegen der Bodendenkmalpflege werden oft gefragt, ob denn schon die gesamte römische Stadt ausgegraben sei. Die Antwort wird noch sehr lange „nein" lauten, denn bislang sind nicht mehr als 20 Prozent der antiken Stadtfläche durch Ausgrabungen erfasst.
Der Prähistoriker Dr. Norbert Zieling (im Bild rechts), Leiter der Abteilung Bodendenkmalpflege im APX, hat einmal schmunzelnd ausgerechnet, dass mit den behutsamen modernen Methoden und sogar bei einer verdreifachten Teamstärke noch über 300 Jahre lang gegraben werden müsste, um die ganze Stadt zu untersuchen. Unter archäologischen Aspekten ist dies sehr vorteilhaft, denn wie alle Technologien entwickeln sich auch die grabungstechnischen Methoden immer weiter. Bei zukünftigen Ausgrabungen sind ganz neuartige Erkenntnisse zu erwarten. Seit 1988 ist Norbert Zieling verantwortlich für alle archäologischen Forschungen im geschützten Bodendenkmal der Colonia Ulpia Traiana und ihres antiken Hafens.
Die Archäologin Sabine Leih (Bildmitte) ist die zweite Wissenschaftlerin in der Bodendenkmalpflege. Sie leitet Ausgrabungen und kümmert sich um die Planung und Organisation aller Grabungsmaßnahmen. Zusammen mit Norbert Zieling ist sie auch für die wissenschaftliche Auswertung und Publikation der Ausgrabungen zuständig. Daneben fördert sie sehr aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs: Sie organisiert zahlreiche Praktika, betreut die Absolventinnen und Absolventen des Freiwilligen Jahres in der Denkmalpflege und bereitet die Internationale Archäologische Sommerakademie vor, an der alljährlich rund 30 Studierende aus ganz Europa teilnehmen.
Christina Smerz (im Bild links) unterstützt den wissenschaftlichen Dienst in der Bodendenkmalpflege bei der Verwahrung der Grabungsdokumentation und bei Schreibarbeiten aller Art. Edeltraud Mittag (nicht im Bild) kümmert sich um die Archivierung der aktuell fast 24.000 Feldzeichnungen, 80.000 Fotos und der unzähligen anderen Dokumente, die seit dem 19. Jahrhundert bei den Ausgrabungen in der antiken Stadt angefertigt wurden. Sie ist auch für Bildanfragen und die Diathek des APX zuständig.
Zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter finden im APX Ausgrabungen statt. Das Grabungsteam hat für alle Witterungen die passende Lösung: Bei starker Hitze werden Sonnenschirme eingesetzt, bei Kälte, Regen und Schnee große Zelte. Meistens bietet das gemäßigte niederrheinische Klima allerdings beste Bedingungen für die Ausgräber.
Wie die meisten seiner Kollegen gräbt Vorarbeiter Bernd Münster (im Bild links) bereits seit den 70-er Jahren die Überreste der Colonia Ulpia Traiana im Xantener Boden aus. Langjährige Erfahrungen haben auch der Grabungstechniker Hermann Keusemann (im Bildhintergrund), der 2007 von den Ausgrabungen in Krefeld-Gellep zum APX gekommen ist, und der Ausgräber Horst Glatz (rechts davor). Grabungszeichner Klaus Girnus (rechts) fertigt werktags wissenschaftliche Feldzeichnungen an und widmet sich in der freien Zeit seiner künstlerischen Ader. Seine Werke wurden unter anderem bereits im Museum Schloss Moyland und im Wiener Schloss Schönbrunn ausgestellt.
Der andere Vorarbeiter des Teams, Lothar Seerau (Bildmitte), ist ein Urgestein in den Xantener Ausgrabungen. Von seiner reichhaltigen Erfahrung profitieren jüngere Kollegen wie Carsten Petter (im Bild links) und Jean-Claude Fataki (rechts), beide mittlerweile selbst sehr erfahrene Ausgräber, und besonders die Studentinnen und Studenten der Internationalen Archäologischen Sommerakademie, denen er alljährlich mit Rat und Tat zur Seite steht.
Grabungstechniker Peter Ickelsheimer (Bildmitte) kümmert sich seit rund dreißig Jahren um den täglichen Ablauf der Grabungen und die Einmessung aller Grabungsflächen. Seine akribisch genauen Vermessungsarbeiten bilden die Grundlage für die archäologischen Pläne der römischen Stadt. Grabungszeichner Winfried Otto (im Bild links) und Ausgräber Udo Göd (rechts) komplettieren die insgesamt zehnköpfige Grabungsmannschaft. Ohne die sorgfältige und mitunter sehr anstrengende Arbeit dieses Teams wäre der wissenschaftlich fundierte Aufbau des Archäologischen Parks nicht möglich gewesen.
Seit 2009 finden im Südwesten der Colonia umfangreiche Ausgrabungen statt. Daher erhielt das Team eigens für diese Arbeiten tatkräftige Verstärkung. Geleitet wird die Großgrabung von dem Archäologen Dr. Bernd Rudnick und der Archäologin Dr. Andrea Faber. Unterstützt werden sie von der Grabungstechnikerin Hannelore Kretzschmann. Für die fachkundige Ausführung in den Ausgrabungsflächen sorgen elf Grabungsarbeiterinnen und Grabungsarbeiter. Die Zeichnerinnen Anne Krüger, Angela Tolksdorf und der Zeichner Hermann Keusemann vervollständigen die Gruppe.
Hintere Reihe (von links nach rechts): Hermann Keusemann, Till Stoletzki, Michael Och, Anne Krüger, Daniel Rhode. Mittlere Reihe: Helen Hilgemann, Dr. Bernd Rudnick, Christoph Wiese, Waad El Yousifie, Frank Kohnen. Vordere Reihe: Dr. Andrea Faber, Angela Tolksdorf, Hannelore Kretzschmann, Svetlana Shefer, Marion Brandes, Angelika Freiens (nicht im Bild: Dr. Mathias Lange).
Bei jeder Ausgrabung in der römischen Stadt kommen Scherben, Knochen und viele andere römische Funde zum Vorschein. Die Magazine des APX beherbergen mittlerweile Millionen Fundstücke aus der Colonia Ulpia Traiana.
Die Funde lagern in vier scheunengroßen Hallen, in denen sich zehntausende von Kisten auf mehr als anderhalb Kilometern Regalfläche zu engen Schluchten türmen.
Dr. Bernd Liesen (im Bild links) ist der wissenschaftliche Leiter der Fundbearbeitung. Die Ausgrabungen liefern dem Archäologen ständig frische Funde auf den Schreibtisch. Sie sorgen immer wieder für spannende Momente und Überraschungen. Der Spezialist für römische Keramik folgt dem Grundsatz der modernen Forschung, dass Archäologie keine Schatzsuche ist, sondern die Lebensumstände vergangener Zeiten beleuchten will. Mit dem Aufbau einer umfassenden digitalen Datenbank schafft Liesen das Fundament aller zukünftigen wissenschaftlichen Auswertungen im APX. So werden auch unscheinbare Funde genau beschrieben und in die Datenbank aufgenommen. Diese dauerhafte Lagerung und Erfassung ist wichtig, weil die Funde auch nach Jahrzehnten immer wieder als Ausgangspunkt für wissenschaftliche Untersuchungen dienen. Denn die Methoden der Forschung verfeinern sich immer mehr, und immer neue Fragen über das Leben in der Antike wollen beantwortet werden.
Torsten Uffermann (im Bild rechts) steuert die täglichen Abläufe in den Lagerräumen. Er sorgt dafür, dass die Funde sortiert und beschriftet werden, bevor sie sorgfältig verpackt ihren Platz in den Magazinen finden. Empfindliche Stücke aus Metall, Glas oder Knochen bringt er in die Restaurierungswerkstatt, andere werden sofort gezeichnet und fotografiert. Die wichtigsten Funde gelangen gleich in die Ausstellung des LVR-RömerMuseums. Uffermann organisiert auch das Verpacken und den Transport von Funden, die für eine gewisse Zeit an andere Museen ausgeliehen werden. Auch dort erzählen die „Römer" aus Xanten ihre Geschichte.
